Als Besitzer einer Garmin Fenix 3 (keine HR) kann man eigentlich zufrieden sein. Was meine Fenix3 aber nicht hat, ist u.a. Pulsmessung am Handgelenk. Aus diversen Gründen finde ich das aber schon sehr praktisch und ich hätte gern eine 24/7 Pulsmessung. Die Fenix 5 ist aktuell keine Option, weil sie schlicht zu teuer ist. Die Alternative hieß, nach reichlicher Überlegung, Polar M430. Nicht zuletzt vor allem auch wegen dem Preis. Nach 5 Wochen Benutzung, möchte ich ein erstes Fazit ziehen.

Ich möchte vorweg nehmen, dass es sich hier um meine persönlichen Präferenzen handelt. Wenn ich einen Nachteil benenne, so muss das nicht auch objektiv ein Nachteil sein. Die Welt ist weder schwarz noch weiß und man muss aufgrund unterschiedlicher Bedürfnisse die Sache differenzierter betrachten.

Die Polar M430

Vom Design her ist der Unterschied zwischen ihr und der Fenix3 enorm. Die Fenix 3 ist für ordentliche Unterarme gemacht. Die ich zwar nicht habe, was mir aber nichts ausgemacht hat. Die Polar M430 ist dagegen wesentlich zierlicher. Damit mir das Armband nicht beim Laufen umherschlabbert, musste ich Größe S nehmen. Bei meinen schmalen Handgelenken passt das wunderbar. Die Uhr wirkt nicht so gigantisch an meinem Arm und passt mir ausgezeichnet. Das gefällt mir.

Die Optik der Polar M430 ist Geschmackssache. Leider trifft sie meinen Geschmack überhaupt nicht. Vielleicht hätte ich sie in schwarz kaufen sollen. Aber es war im Laden leider nur weiss verfügbar. Die Haptik fühlt sich irgendwie billig an. Das Gehäuse ist durchgehend aus Kunststoff. Die Form ist nicht schön aber hat ganz klar den Vorteil, dass sie sich gut an den Arm anschmiegt. Das macht sie bequem und das ist auch gut so. Denn ich habe vor sie Tag und Nacht zu tragen. Sie soll nämlich auch meine Schlafgewohnheiten tracken.

Dann wollen wir mal laufen

Positiv fällt mir auf, dass die Polar M430 das GPS-Signal schneller findet als meine Fenix3 und der Genauigkeit allem Anschein nach in nichts nachsteht. Und das ohne Glonass oder anderen Dingen. Während des Laufens ist bei der Paceanzeige aber, wie bei fast allen Uhren, nur der Durchschnitt zu gebrauchen.

Die Pulsmessung am Handgelenk funktioniert. Aber nicht perfekt. Für relativ gleichmäßige Läufe kann man es gebrauchen. Aber spätestens bei Intervallen stößt die Uhr mit ihrer Pulsmessung an ihre Grenzen. Denn die Pulsanzeige reagiert sehr träge. Mir ist klar, dass der Puls generell nicht sofort hochschießt. Aber das hat dann hier doch noch eine andere Qualität. Ab und zu steigt der Puls mal kurz einige Schläge (5 bis 8) hoch oder runter ohne das sich die Intensität verändert hätte. Das nervt insbesondere dann, wenn man in einem bestimmten Bereich bleiben möchte und sie deswegen ständig meckert (vibriert). Die Uhr muss relativ eng hinter dem Handgelenk anliegen um möglichst genaue Werte zu liefern.

Die Sache mit dem Puls kann man relativ leicht beheben. Zufällig besitze ich von Polar den Brustgurt H7 und der ist mit der M430 kompatibel. Plötzlich hat man ein ganz anderes Verhalten der Uhr. Die Reaktionszeit ändert sich dramatisch und der Puls bleibt stabil. Man hat das Gefühl die Intensität jetzt besser dosieren zu können. Richtig super. Das gefällt mir sehr gut.

Fazit für die Pulsmessung am Handgelenk: Für 24/7 Messung, relativ gleichmäßige Läufe, Ruhepulsmessung und Fitnesstest ausreichend. Wenn man jedoch verhältnismäßig kurze Intensitäten steuern will, führt aus meiner Sicht kein Weg an einem  Brustgurt vorbei. Dann hat man jedoch ziemlich stabile Hardware mit der man richtig gut laufen kann.

Die Akkulaufzeit

Die Akkulaufzeit hängt natürlich von den Einstellungen ab. Meine Fenix3 habe ich einmal in der Woche geladen. Die Polar M430 muss ich jeden zweiten Tag laden. Daran muss ich mich erst gewöhnen. Ich könnte die GPS-Genauigkeit herunter setzen und vor allem die 24/7 Pulsmessung ausschalten. Aber das war ja einer der Gründe warum ich mir die Uhr überhaupt angeschafft habe. Vor langen Läufen also unbedingt einmal voll Laden. Es ist mir schon zwei mal passiert, dass sie unterwegs schlapp gemacht hat weil ich sie nicht ausreichend geladen hatte. Mitlerweile habe ich mir angewöhnt sie einfach jedes mal zu laden, wenn ich vorm Computer hocke und an Blogbeiträge arbeite.

Trainingsplanung

Die Trainingsplanung mit der Polar M430 bzw. dem Polar Flow Portal ist für mich abschließend schwierig zu beurteilen. Grundsätzlich kann Garmin das wesentlich besser, weil die Planung einfach flexibler ist. Ich kann mich bei Garmin auch entscheiden ob ich nach Puls oder Tempo trainieren möchte. Das geht in Polar Flow nur sehr begrenzt. Beim Flow kann ich nur vorher definierte Pulszonen oder Tempozonen angeben. Das ist mir viel zu unflexibel. Darüber hinaus ist das Erstellen eigener Trainings bei Garmin einfach komfortabler. Ich kann jeden Trainingsplan unterschiedlichster Philosophien ohne Schwierigkeiten abbilden. Das geht bei Polar Flow nicht.

Garmin Connect ist sehr flexibel und komfortabel wenn es um selbst erstellte Trainingseinheiten geht.

Die Trainingsprogramme von Polar selbst gehen ausschließlich nach Puls. Das ist sehr schade und ich hatte damit etwas zu kämpfen. Fast hätte ich die Uhr zurückgebracht und war heilfroh, dass meine Garmin noch in der Schublade liegt. Dennoch wollte ich Polar mehr Zeit geben. Irgendwas muss sie doch gut können. Und ja. Sie kann.

Polar Programme: Trainingsplan Marathon

Ich bin erst einmal daran gescheitert meinen zukünftigen Trainigsplan in Flow einzugeben. Einheiten erstellen und einfach auf die Uhr kopieren geht auch nicht. Da ich bis zum Start meines nächsten Trainingsplans ein paar Wochen Zeit habe, teste ich doch einfach mal einen Plan von Polar. Geht zwar nur nach Puls (bei mir eigentlich schwierig) aber ich habe ja nichts zu verlieren. Trainingspläne nach Puls haben mich in der Vergangenheit häufig nicht weiter gebracht. Meine individuellen Schwellen scheinen irgendwie komisch verteilt zu sein.

Ich starte ein Laufprogramm und geben den Berlin Marathon als Ziel an. Was ja auch tatsächlich meiner Situation entspricht. Nach der ersten Woche war ich doch sehr überrascht. Das Programm nach Herzfrequenz fordert mich. Das ist mir neu. Die Intensität gefällt mir sehr gut. Hart aber herzlich. Ich komme erstaunlich gut mit dem Plan zurecht und laufe den gesamten Mai pulsgesteuert durch. Ich habe das Gefühl, dass das Training ziemlich gut funktioniert. Was mir am Plan überhaupt nicht gefällt, dass er für ein Marathontraining einen zu geringen Umfang fordert. Selbst die langen Läufe gehen kaum über die zwei Stunden hinaus. Ein Fehler, den ich vor einem Marathon bestimmt nicht noch einmal machen werde. Ich beschließe die langen Läufe auszudehnen, die Intensität beizubehalten und mutig genug zu sein das bis Berlin durchzuziehen.

Aktivity Tracking

Die Polar M430 kann noch mehr. Neben dem Training muss ich unbedingt Gewicht verlieren. Ich bin nicht sehr gut darin, im Gegenteil. Als ehemals adipöser Raucher, fällt es mir manchmal echt schwer überhaupt etwas zu bewegen und beim Essen Maß zu halten. Die Polar M430 steht im Ruf gut darin zu sein, die verbrauchten Kalorien zu berechnen (OwnCal). Der 24/7 Pulsmessung sei dank. In Kombination mit der App MyFitnessPal bekomme ich zumindest einen ungefähren Überblick meiner Kalorienbilanz. Die Trainings- und Aktivitätsdaten werden von Polar Flow sehr schön aufbereitet. Nachteil: Nachträglich manuell eingetragene Aktivitäten werden knallhart ignoriert. So erreiche ich manchmal mein Tagesziel trotz ausreichend Bewegung nicht. Ein Import von Dateien ist nicht möglich. Sehr, sehr schade.

Selbstverständlich trackt die Polar M430 auch den Schlaf und das sogar (gefühlt) recht zuverlässig. Polar möchte sogar die Schlafqualität beurteilen. Das kann man morgens aber selbst am besten. Interessant ist noch der Erholungsstatus. Man sieht zu jeder Zeit wie belastet man ist. Dabei wird nicht nur das Training berücksichtigt sondern auch der Alltag. Vor allem gefällt mir die perspektivische Betrachtung. Polar Flow zeigt an, wie sich die Belastung in den nächsten Tagen verändern wird und wann man wieder ins Training einsteigen sollte. Gefällt mir.

Next Level Polar Balance

Die Betrachtungsweise aller Aktivitäten gefällt mir sehr gut bei Polar. Es wird ein tolles Gesamtbild von all meinen Aktivitäten erzeugt. Nicht nur mein Training wird berücksichtigt sondern auch mein Alltag. Das konnte meine Fenix3 nicht. Allein aufgrund der fehlenden 24/7 Pulsmessung. Diese (Achtung… Reizwort) „ganzheitliche“ Betrachtung gefällt mir so gut, dass ich die Uhr nicht mehr abnehmen möchte. Wenn ich darauf allerdings kein Wert legen würde, hätte ich ganz schnell wieder meine Fenix umgeschnallt. Denn Trainingssteuerung und Flexibilität, kann Garmin ganz klar besser. Auch die verwendeten Materialien sind wesentlich hochwertiger und das Design entspricht eher meinen Geschmack.

Ruhepuls und aktuelle Fitness kann man mit der Polar M430 spielend leicht messen. Nach vier Wochen hat sich mein Fitnesstest um sechs Punkte verbessert. Runalyze bestätigt mir eine gestiegene VO2max und ich bin tatsächlich etwas schneller geworden. Darüber hinaus -1 KG auf der Waage. Mag ja Zufall sein, aber wie kann ich bei diesen Ergebnissen die Uhr wieder abnehmen wollen? Im Gegenteil habe ich mir jetzt sogar noch die Waage Polar Balance dazu gekauft und Polar Flow mit MyFitnessPal verbunden. Jeden Morgen geht es nun auf die Waage (Augen zu und durch…) und anhand dessen wird das Tagesziel aktualisiert.

Fazit: Wenn ich eine Uhr ausschließlich fürs Laufen, Wandern und Radfahren bräuchte und zur Trainingssteuerung, würde ich mich ganz klar wieder für Garmin entscheiden. Wenn ich jedoch noch andere Baustellen habe wie z.B. meine Gewichtsreduzierung und ich ein umfassendes Gesamtbild haben möchte. Dann bleibts bei Polar. Berlin wird außerdem zeigen wie der Polar-Trainingsplan gewirkt hat. Demnächst gibt es noch einen Leistungstest um die Pulszonen einmal neu zu bestimmen. In diesem Sinne!

Was mir an der Polar M430 gefällt:

  1. Für schmale Handgelenke
  2. Flottes GPS
  3. Pulsanzeige mit Polar H7 sensationell
  4. Umfassende Betrachtung aller Aktivitäten
  5. Informationen werden schön aufbereitet
  6. Preis-/Leistung Top

Was mir an der Polar M430 nicht gefällt:

  1. Design eher mau… (Geschmacksfrage)
  2. Fühlt sich nicht besonders hochwertig an
  3. Trainingsplanung unflexibel
  4. Pulsanzeige ziemlich träge ohne Gurt
  5. Trainingspläne ausschließlich nach Puls
  6. Import von Aktivitäten nur manuell möglich und die werden nicht mit einbezogen

Polar M430 (weiss)
179,99€ bei Decathlon.de GPS Pulsuhr mit Pulsmessung am Handgelenk

Ich bin Sascha und war jahrelang leidenschaftlicher Raucher und übergewichtiger Bewegungslegastheniker. Durch Zufall habe ich mich in das Laufen verliebt und bin dabei geblieben. Das Prinzip „Laufen statt Rauchen“ funktioniert hervorragend. Manchmal verbringe ich meine Zeit damit Artikel für Laufanfänger zu schreiben in der Hoffnung Andere zum Laufen zu bewegen. Die Serie „Worüber Laufanfänger nicht gerne sprechen“ ist mir der wichtigste Teil von Rumlaufen.de