Wandern mit einer Startnummer? Kann man machen. Meine erste Teilnahme an einem Laufevent in diesem Jahr und dann ist es noch nicht einmal Laufen sondern Wandern. Warum auch nicht? Am Ende habe ich auch Kalorien verbrannt (ok und anschließend geladen), ein kleines „Muskelkätzchen“ und sogar Polar Flow sagt mir, es sei eine gute Einheit gewesen. Darüber hinaus hat es so viel Spaß gemacht, dass ich garantiert wieder komme.

Der Hollenmarsch im Sauerland

Ich habs da recht einfach, denn Bödefeld ist gerade eine Stunde Fahrt von mir entfernt. Dennoch ist das Sauerland von der Topografie her ein enormer Unterschied zu meiner flachen Heimat Paderborn. Ich wohne im flachen Kessel sozusagen.

Man hat die Wahl zwischen verschiedenen Strecken:

  • S 14 KM
  • M 21 KM
  • L 42/55 KM (Wahloption)
  • XL 83/101 KM (Wahloption)

Wir haben uns für M entschieden. Nicht zu kurz, damit sich die Anfahrt lohnt und nicht so lang, als dass es weh tun könnte. Alle Strecken können gewandert oder gelaufen werden.

Eine unglaublich schöne Strecke

Ich kann nur von der Strecke M, also die 21 KM berichten und will gleich vorweg schicken, dass es mit Abstand die schönste Strecke ist, die ich im Umkreis gelaufen bin. Weder mein Lieblingslauf, der Böckstiegellauf in Werther, noch der Hermannslauf können dagegen halten. Das muss ich fairerweise zugeben. Wir haben es mit tollen Aussichten, schönen Wäldern und sehr abwechslungsreichen Terrain zu tun. Es geht wenig über Asphalt, häufiger über Schotter- und Waldboden. Und immer wieder diese Aussichtspunkte, an denen man über das Sauerland schauen kann.

Bödefeld
Bödefeld in Sicht

Der wechselnde Untergrund wirft gleich einige Fragen auf. Zur Erinnerung, ich wandere diesmal und laufe nicht. Man hat es teilweise mit ordentlichen Steigungen zu tun und dementsprechend auch mit Downhills. Was bei trockenem Wetter an manchen Stellen ein wenig Konzentration beim Wandern erfordert, könnte sich bei steigenden Tempo und schlechten Wetter als echt unangenehm herausstellen.

Ich habe mich an einigen Stellen gefragt, wie es für mich eigentlich möglich ist diese Strecke zu laufen. Das macht mich natürlich seeeehr neugierig. 😉

Eine richtig, richtig tolle Organisation

Wir hatten (lasst mich lügen) drei VPs auf der 21 KM-Strecke. Es könnten auch vier gewesen sein? Die allesamt super ausgestattet waren. Inklusive der wahrscheinlich nettesten und fröhlichsten Helfer die ich angetroffen habe. Ich hätte außer Trinken nichts mitnehmen müssen. Denn es gab zwischendurch sogar belegte Brote. Herrlich.

Mein Cousin mit Affenschnitzel

Die gute Organisation zeigte sich schon beim Abholen der Startunterlagen. Die Schlange war ziemlich lang. Aber auch ziemlich schnell abgearbeitet. Im Start- Zielbereich mangelt es an… nichts. Es ist alles da was man braucht.

Die verschiedenen Starts zu unterschiedlichen Strecken sind zeitlich auch gut gewählt. Nach 14 Stunden und 31 Minuten, kam bereits der erste (!) 101 KM-Läufer (!) ins Ziel gerauscht. Wahnsinn! Die sind früh morgens um 06:00 Uhr gestartet. Die Wanderer der 83 bzw. 101 KM-Strecke sind sogar schon am Vorabend um 19:00 Uhr losgelaufen. Davon gab es echt nicht wenige. Es waren 272 Starter auf der langen Distanz unterwegs. Unser Start war pünktlich um 11:00 Uhr zusammen mit den Läufern.

Schnelle „Wanderer“ oder falsche Nummer

Nachdem ich nun die Strecke wandernd kennengelernt habe, war ich froh, dass ich meinem jetzigen Zustand nicht den Größenwahn hatte sie laufen zu wollen. Ich bin aktuell alles andere als im Training. Aber dennoch bin ich sehr neugierig, wie schnell die ersten Läufer ins Ziel gekommen sind. Der erste Läufer war nach unglaublichen 1:28:34 im Ziel. Es ist ein Lauf mit 21,7 KM, 604 Höhenmeter und stellenweise sehr steile Passagen mit nicht so einfachen Untergründen (Schotterpisten etc.). Die Zeit wäre auf einer einfachen, flachen Strecke schon grandios. So richtig vorstellen kann ich es mir nicht, wie dieser Mensch durch die Wildnis geballert sein muss. Ich hätte es gern gesehen. Insbesondere an Stellen wie der Kreuzberg mit einer ordentlichen Steigung, bei der man manchmal mit den Händen durchaus auch den Boden berühren könnte. Oben auf dem Kreuzberg ist eine Kapelle und sinnvollerweise auch ein VP.

Wir erreichen den Kreuzberg bei KM 17. Also der Hollenmarsch will im letzten Drittel der Strecke-M noch einmal eine kleine „Kletterpartie“ sehen.

Verwundert war ich bei den Zielzeiten der Wanderer. Dort kam der erste nach 02:16:18 ins Ziel. Mit Verlaub… das wäre selbst auf einer flachen, einfachen Strecke bestimmt nicht gewandert. Wahrscheinlich hat sich der Finisher bei der Anmeldung schlicht vertan. Gewandert war das nicht. Schade, dass er nicht der richtigen Wertung zugeführt wurde. Wir sind gemütlich gewandert und haben uns auch mal länger an den VPs aufgehalten, haben Fotos gemacht und rumgedödelt. Also kamen wir mit einer Zeit von 04:35:23 gut gelaunt und nicht kaputt ins Ziel. Der Muskelkater im Anschluß fiel auch eher klein aus.

Absolute Wiederholungsgefahr!

Ich werde im nächsten Jahr auf jeden Fall wieder teilnehmen. Allerdings bin ich mir nicht sicher, ob als Wanderer oder Läufer. Die Wanderung war sehr schön und ich könnte mir vorstellen die 42 KM-Strecke zu wandern. Oder halt die 21 KM-Strecke zu laufen. Aber auch die kleine 14 KM-Strecke mit der Familie wäre denkbar. Der Hollenmarsch bietet einfach für jeden etwas und alle bewegungsfreudigen Teilnehmer kommen auf ihre Kosten. Egal ob flott und kurz laufen oder ein anspruchsvoller Ultralauf. Es ist eine Veranstalltung für alle. Darüber hinaus mit einer richtig guten Organisation und der schönsten Strecke im Umkreis. Ich bin nächstes Jahr wieder dabei! 🙂