Letztens habe ich im Facebook-Account von Achim Achilles eine Grafik gesehen. Welche Dinge vermissen Läufer im Winter am Meisten? Klarer Sieger: Das Licht. Ich persönlich kann das bestätigen. So alt ist der Winter noch nicht, doch er geht mir jetzt schon gehörig auf die Nerven.

Nerven wie Spaghetti

Über Drahtseile kann ich schon nicht mehr sprechen. Am liebsten würde ich einfach durchschlafen. Es fällt mir schwer mich umzuziehen und vor die Tür zu gehen. Auf den ersten Kilometern versuche ich schon irgendwie zu argumentieren, warum ich doch nur die ganz kleine Runde drehen sollte. Mein Puls ist viel zu hoch und die scheiss Uhr nervt mich einfach mit ihrem Gepiepe. Ich nehme mir vor wieder meine gute alte Garmin OHNE BRUSTGURT hervorzukramen und nur noch nach Tempo zu laufen. Wie es aussieht, ist mein Puls im Winter nicht zu gebrauchen.

Podcasterei und soziale Medien

Meine Podcast-Sammlung besteht fast nur noch aus Laufthemen. Kaum höre ich mir eine neue Folge an, muss ich sie nach ein paar Minuten aus machen. Himmel was nervt mich das Gelaber über Dinge die nichts Besonderes sind. Aber die ganze Welt tut so, als sei es eine HAMMERKRASSEMEGA-Leistung nur weil man in der Lage ist nach 200 Meter noch atmen zu können. Ich deabonniere alle Laufpodcasts und abonniere wieder Dinge, die mich wirklich interessieren. Ich werde zynisch, ich werde sarkastisch. Ich merke, dass mir der Winter ordentlich zusetzt.

Ständig meldet mein scheiss Telefon irgendeinen Facebook-Post. Der und der ist hier und dort gelaufen und eine weitere durchschnittliche Zeit gerannt. Interessiert doch eigentlich niemanden. Ich schmeiße die FB-App von meinem Telefon und entdecke diverse andere Apps die mich plötzlich auch stören. Endomondo, GarminConnect, Polar Flow usw. fliegen alle vom Telefon runter. Nur Strava bleibt installiert.

Kein Bock mehr zu laufen?

Was ist eigentlich mit meinen ganzen Laufbüchern? In der Garage wäre noch genug Platz. Und die Medaillen an der Wand sehen eigentlich auch nur scheisse aus. Einzig zwei Fotos die mit Laufen zu tun haben schaffen es, mich wieder positiv zu stimmen. Der Zieleinlauf meines ersten Marathons mit Sandra. Ich gucke ziemlich erleichtert auf dem Foto. Sandra auch. Und der Zieleinlauf des diesjährigen Berlin-Marathons mit meiner Tochter. Ich gucke fertig aber sau glücklich mit meiner Tochter an der Hand.

Eigentlich ein sehr erfolgreiches Laufjahr mit meinen ersten beiden Marathons die beide sensationell waren. Dazu noch krönend zum Abschluss eine neue PB über den Halbmarathon. Ziele für 2019 stehen auch. Trotzdem, das Laufen und alle damit verbundenen Themen gehen mir tierisch auf die Nerven.

Das Laufen auf Laufen reduziert

Eines bleibt jedoch. Nach jedem Lauf fühle ich mich einfach besser. Selbst in dieser Phase. Das Laufen selbst tut mir gut. Also reduziere ich es auf die Dinge, die wirklich wichtig sind. Laufen. Meine Uhr trage ich nicht mehr im Alltag, den Blog lasse ich einfach mal liegen, die ganzen Apps sind gelöscht, die Bücher… ok stehen noch hier. Die Medaillen hängen auch noch. Die Podcasts und alles andere halte ich mir einfach vom Leib. Oder um es kurz zu sagen: Ich reduziere alles außer dem Laufen selbst. Gespräche über Laufthemen versuche ich zu umgehen. Stattdessen laufe ich einfach mehr. Was jetzt im Januar keine Kunst ist und der einzige Grund, warum ich die StreakRunning Challenge durchziehe. Mal sehen wie der Frühling wird.

In diesem Sinne halte ich einen Lauf-Winterschlaf und komme hoffentlich im Frühling mental ausgeruht wieder zurück. Und wenn nicht? Auch egal. Hauptsache ich laufe. 😊