Auf Madeira weiß man mit Touristen umzugehen. Schließlich lebt die Insel zum größten Teil davon. Das Angebot an verschiedenen Aktivitäten ist dementsprechend groß. Eigentlich kann man auf Madeira alles Mögliche machen. Man hat wahlweise das Meer oder die Berge. Die Klassiker sind natürlich die Wandertouren. Wer auf Madeira war und keine Levada entlang marschiert ist, darf sich auch direkt schämen glaube ich. Hier reicht das Angebot von ausgedehnten Tagestouren, bis zu halbtägige  „Spaziergänge“. Einen kleinen Spaziergang habe ich einmal mitgemacht und es nicht bereut.

Levada Referta

Schwierigkeitsgrad: Einfach
Distanz: ca. 5 KM
Dauer: ca. 1 Stunde
Besondere Ausrüstung: Nein

Meine Mitreisenden sind nicht sehr ausdauernd, wollten aber dennoch eine Levada Wanderung mitmachen. Natürlich gibt es da ein passendes Angebot. Eine kurzweilige Tour die ich gerne mitmache. Man will ja was vom Land sehen. Da am nächsten Tag für mich eine ganztägige Bergwanderung ansteht, passt das ganz gut.

Tourimäßig werden wir und ein paar andere Touris mit einem Shuttle vom Hotel in das 35 KM entfernte Referta gekarrt. Das liegt westlich von Porto da Cruz. Die Fahrt dauert ungefähr eine Stunde. Das ist übrigens auf Madeira immer so. Ich glaube jede Fahrt, egal wohin, dauert eine Stunde. Die Insel ist zwar klein aber derart mit Gebirge durchzogen, dass alles irgendwie länger dauert. Und ich glaube nirgendwo auf dieser Welt, ist es so egal wie auf Madeira. Denn jede Fahrt ist irgendwie ein Abendteuer für sich. Und dabei sind die Madeirenser so herrlich entspannt. Nicht falsch verstehen… die meisten fahren wie die Henker. Aber haben zumindest Spaß dabei und grüßen sich freundlich. Ich mag die Einheimischen sehr,  musste ich als Hobbymisantroph feststellen. Ich schweife wieder ab…

In Referta ist der Einstieg der Wanderung. Unser Guide, ein netter mittdreißiger, kann recht gut deutsch. Davon ab, kommt man mit Englisch auf Madeira bestens zurecht. Da wir mitten im Tourigebiet sind, können viele Madeirenser ziemlich gut Englisch.

Der Pfad der Levada ist recht schmal aber lässt sich sehr gut und entspannt gehen. Höhen und Tiefen gibt es nicht. Wir befinden uns stets auf eine Ebene. Man sollte allerdings keine Probleme damit haben, dass es an einigen Stellen (meistens auf der rechten Seite) ziemlich weit nach unten geht. Da wir uns an einem Berghang befinden, kann man wirklich schöne Aussichten genießen. Als wir dort waren, hat es kurz zuvor geregnet und der Boden war nass und stellenweise leicht matschig. Man könnte die Wanderung mit einfachen Schuhen gehen. Ich rate trotzdem zu festen Schuhwerk. Insbesondere wenn es nass ist. Man sollte es gewohnt sein mit den Schuhen zu laufen. Nicht die Wanderschuhe nehmen, die man nur alle jubel-Jahre aus der Ecke kramt. Tipp: Trailschuhe einpacken!

Flora und Fauna

Wir halten häufiger an und schauen uns um. Unser Guide (Er heißt Pedro… ich glaube das hat er sich nur ausgedacht weil er glaubt, dass wir es so erwarten) weiß viel über Tiere und Pflanzen der Insel zu erzählen. Es gibt nicht besonders viele Tierarten auf Madeira. Laut seiner Aussagen sind Touristen und andere Menschen die einzigen gefährlichen wilde Tiere hier. Humor kann er also auch. Wenn man also mehr über die Flora, Fauna und Geografie von Madeira erfahren möchte, ist man hier genau richtig.

Zwischendurch kommen wir immer wieder an private Häuser vorbei, die direkt an der Levada liegen. Man sieht und erlebt die Landwirtschaft an den Hängen. Während es für mich unmöglich scheint die Hänge zu besteigen, bestellen die Madeirenser ihre Felder dort. An einem Haus hat sich ein Einheimischer günstig postiert und bietet den Touris seine Ware an. Wir probieren Avocados und Bananen. Die schmecken sensationell gut. Da muss ich nicht lange überlegen und freue mich einen Rucksack dabei zu haben. Vier Bananen und drei Avocados wechseln den Besitzer für 8.00€. Das ist halt keine Aldi-Massenware und man möge mir glauben: Die Qualität ist niemals nicht vergleichbar. Natürlich ist mir bewusst, dass wir dorthin geführt wurden. Aber gerne… warum nicht?

Ebenso wurden wir zum Schluss zu Katrepas Bar gelotst. Aber es wurde auch Zeit für einen Kaffee. Angeblich gibt es hier den besten Poncha der Insel. Das ist das Nationalgetränk hier und besteht u.a. aus Zuckerrohrschnaps. Ich habe es probiert, bin aber nicht qualifiziert ein Urteil abzugeben. Alkohol, härter als Bier, bekommt mir ganz und gar nicht. Es schmeckt mir auch nicht.

Hinter der Theke sehe ich eine Startnummer und ein Pokal. Der Sohn des Hauses hat es bei einem lokalen Trailrun aufs Podest geschafft. Die Eltern, ein sehr nettes Ehepaar, sind zurecht ziemlich stolz darauf und stellen es gerne aus. Bei einem Kaffee kommt unser Guide ins Schwärmen, als er über die Trails seiner Heimat erzählt.

Madeira und Trailrunning

Auf der Levada Wanderung habe ich einige Wegweiser mit der expliziten Aufschrift „Trailrunning“ gesehen. Leider habe ich es versäumt davon Fotos zu machen. Es sind überall Strecken mit KM-Angaben ausgewiesen. Der Sport hat auf Madeira eine besondere Bedeutung. Der Guide erzählte ausgiebig vom Madeira Island Ultra Trail (MIUT) und anderen Laufveranstaltungen. Diese seien sehr wichtig, da sie internationales Publikum und vor allem Teilnehmer anziehen. Darüber hinaus sind viele Madeirenser leidenschaftliche Läufer. Angesichts dieser wirklich wunderschönen Insel, kann ich mir auch nichts schöneres vorstellen, als hier zu laufen. In dieser schönen Umgebung wurde ein Lebensziel geboren.

Übrigens ist der MIUT nicht die einzige Laufveranstaltung. Sie ist die Größte von sehr vielen. Denn aufgrund der klimatischen Bedingungen und der Umgebung, ist hier ganzjähriges Laufen kein Thema.