Kommen wir zum Tag, an dem ich mein Herz auf Madeira verlor. Als die Erde kurz einmal stehen blieb und nichts außer Stille meine Ohren erreichte. Dabei war es nur eine verhältnismäßig kurze aber dafür wunderschöne Wanderung von Pico do Arieiro (1818) zum höchsten Punkt Madeiras. Zum Pico do Ruivo (1862). Leider habe ich ob der Schönheit meine Uhr erst spät eingeschaltet. Ich habe es schlicht vergessen, weil ich von den schönen Panoramen nahezu überwältigt war.

Bekannteste Wanderroute auf Madeira

Diese Tour, wie ich sie mit einer Gruppe gegangen bin, ist so oder so ähnlich in nahezu jedem Wanderführer beschrieben. So auch in meinem Wanderführer, in dem die Tour als anspruchsvoller, alpiner Weg beschrieben wird. Das möchte ich vorweg nur ein kleines Bisschen relativieren. Grundsätzlich sollte jeder erfahrene Wanderer keine Probleme mit der Route haben. Trittsicherheit und Schwindelfreiheit sind Voraussetzung. Man liest jetzt in verschiedenen Wanderführern und Reiseberichte recht unterschiedliche Schilderungen. Von gefährlichen, ausgesetzten Passagen bis hin zu Sätze wie: „Kann man mit Turnschuhen und kurzen Hosen gehen.“ – Ja, kann man. Aber dann ist es halt doof. Es sei denn bei den „Turnschuhen“ handelt es sich um Trailschuhe. Zudem gibt es wohl mehrere Möglichkeiten die beiden Gipfel zu erreichen. Die Wanderung von der Achada do Teixeira zum Pico Ruivo kann man ohne Probleme auch Kindern zumuten. Im Gegensatz dazu ist diese hier beschriebene Route natürlich anspruchsvoll.

Anspruchsvoll oder nicht?

Kommt darauf an. Mit Flip Flops und kurzer Hose sicherlich sehr anspruchsvoll. Richtig vorbereitet aber sehr gut zu bewältigen. Es hängt sicherlich auch von der Person ab. Machen wir uns mal nichts vor. Es gibt Menschen die Laufen diese Route. Laufen… nicht wandern… Denn wir befinden uns auf den Spuren des Madeira Island Ultra Trail (MIUT). Eine kurze Exkursion, was das bedeutet: Wenn die Läufer an diesem Punkt ankommen, haben sie schon ca. 10 Laufstunden in den Beinen und sind sicherlich nicht mehr so hochkonzentriert. Der MIUT hat eine Gesamtdistanz von 110 Kilometer.

Ein weiterer Faktor ist das Wetter. Ich hatte Regen, feuchten Boden und teils sehr rutschige Felsen und Stufen. Bei Trockenheit ist das Ganze sicherlich deutlich einfacher.

Man benötigt zwingend eine solide Grundkondition. Wenn man die Route von Pico do Arieiro zum Pico do Ruivo wandert, muss man zwangsläufig eine sehr steile und lange (500 Stufen) Treppe hinaufsteigen. Die Alternativroute ist aktuell noch gesperrt.

Welche Ausrüstung braucht man?

Ich fange mal bei den Schuhen an. Solide Wanderschuhe oder Trailrunning-Schuhe sollten es sein. Vor allem sollten sie auch bei Nässe ordentlich Gripp haben.

Weiter gehts mit der Hose. Prinzipiell völlig egal so lange man ausreichend Bewegungsfreiheit hat und sie dem Wetter angemessen ist. Vorteilhaft sind natürlich schnell trocknende Hosen.

Die Oberbekleidung wird jetzt wieder wichtiger. Das Wetter ändert sich ziemlich schnell und überraschend. Das Zwiebelprinzip ist eindeutig vorzuziehen. Während es auf der restlichen Insel angenehm warm ist, wird es dort oben schon sehr deutlich kühler. Absolut zur Pflicht gehört eine Regenjacke aus meiner Sicht. Im Zweifelsfall lieber noch einen Pullover in den Rucksack stecken.

Da man durch einige längere Tunnel geht, braucht man eine Taschenlampe. Wenn man eine geführte Tour macht, bekommt man eine „Minifunzel“ gestellt. Damit kann man nicht viel anfangen. Zum Glück hatte ich meine Kopflampe dabei. Darüber freuten sich auch die Wanderer vor und hinter mir.

Essen und Trinken. Es gibt keine Einkehrmöglichkeiten dort oben. Je nach Wetterlage und persönlichen Bedarf 0,5 bis 1 Liter Wasser und leichtes Essen. Je nach Gruppe ist man ca. vier Stunden unterwegs.

Trekking-Stöcke? Hatte ich nicht, hätten mich auch eher behindert. Manche, unter anderem auch unser Guide, hatten welche dabei. An einigen Stellen habe ich gern meine Hände benutzt, weil es sehr rutschig war. Daher empfehle ich Kletterhandschuhe mitzunehmen. Die haben es mir deutlich leichter gemacht.

Pico do Arieiro

Die Route startet am Gipfel des Pico do Arieiro. Dort hinzukommen ist keine Kunst, denn er ist mit dem Auto erreichbar. Der Gipfel des Pico Ruivo ist zwar nicht mit dem Auto erreichbar aber ebenso leicht zu erreichen. Es sind die Hochwanderwege, die das Ganze anspruchsvoller machen.

Pico do Arieiro

Da man den Pico do Arieiro mit dem Auto/Bus erreichen kann, ist hier natürlich touristischer Trubel. Ich kann mir vorstellen, dass es in der Hauptsaison sogar unerträglich voll sein wird. Es gibt sogar ein Souvenirshop. Ein weiteres, markantes topografisches Merkmal ist die Radarstation der portugiesischen Armee.

Unser Guide für diese Wanderung war Maria. Eine sehr sympathische, humorvolle und aufgeweckte Persönlichkeit. Die Gruppe bestand aus 17 Personen unterschiedlicher Nationen. Die Kommunikation fand ausschließlich in englischer Sprache statt. Da Maria sehr gut verständliches Englisch spricht, war das absolut kein Problem. Ich nahm mir vor, stehts in ihrer Nähe zu bleiben, um möglichst viel von dem zu hören was sie zu sagen hat.

Ninho da Manta

Einer der ersten markanten Punkte ist der Aussichtspunkt Ninho da Manta. Von dort aus hat man rückblickend zum einen den Pico do Arieiro im Auge. Zum anderen aber auch einen atemberaubenden Blick durch die Täler und Gipfel des Gebirges. Je nach Wolkenlage dramatisch verhüllt, himmlisch schön, mindestens aber stets spektakulär.

An diesem Punkt hatte sich bereits die Gruppe relativ weit auseinandergezogen. Wir mussten häufiger anhalten um auf Nachzügler zu warten. Unterschätzen kann man diese Route also auch. Aber am Ende sind alle gut durchgekommen. Zudem erschwert nun der nasse Untergrund den Weg. Wie angekündigt: Es regnet.

Die eisernen Stufen

Zwischen Ninho da Manta und Pico do Ruivo gibt es natürlich noch mehr zu sehen. Unter anderem einen weiteren Aussichtspunkt mit dem Name Pedra Rija. Ab Pedra Rija musste ich mich schon sehr auf den Weg konzentrieren und habe bis zum Pico do Ruivo kaum noch Fotos gemacht. Wir sind zwischenzeitlich durch einige Tunnel gekommen. Diese haben i.d.R eine ziemlich niedrige Deckenhöhe, sind naturgemäß ziemlich dunkel und die Wege hindurch hatten teilweise große Pfützen. Bereits nach dem ersten Tunnel habe ich meine Kopflampe herausgekramt. Mit einer kleinen Taschenlampe wird man nicht glücklich. So passierten wir fünf Tunnel die unterschiedlich lang waren.

Nachdem wir die ersten drei Tunnel hinter uns hatten, passierten wir wieder rutschige und steile Passagen. Nach dem letzten Tunnel kommt nun als nächstes der Teil, der die Ausdauer auf die Probe stellt. Eine steile Treppe mit eisernen Stufen. Es müssen 500 Stufen steil nach oben bewältigt werden. Überholen kann man dort nicht. Macht auch niemand freiwillig, da es teilweise ziemlich ausgesetzt ist. Ich frage mich was passiert, wenn jemand entgegen kommt? Ich habe kein Schild gesehen, was den Abstieg untersagt… Indes gab es die klare Anweisung von Maria oben zu warten. Ich glaube jeder freute sich über die Pause. Leider habe ich keine Fotos von der Treppe gemacht. Ich war zu sehr mit mir selbst beschäftigt.

Aktuell lässt sich die Treppe nicht umgehen. Wegen eines Steinrutsches ist die alternative Rout gesperrt.

Sick Sack bis Pico Ruivo

Nachdem man diese Treppe hinter sich gebracht hat, wird das Gelände deutlich einfacher. Bis zum Ende der Tour. Wenn man die Treppe hat, ist der Rest ein Kinderspiel. Von nun an geht es zunächst ein wenig runter und dann wieder im Zick-Zack-Kurs Richtung Gipfel. Oder wie Maria sagte: „Sick Sack up up up up up“ 🙂

Auf dem Bild oben kann man über den Bäumen ein Dachgiebel sehen. Dieses Haus ist die Zuflucht am Gipfel des Berges, welches leider geschlossen war. Ich weiß nicht ob nur an dem Tag oder dauerhaft. Wenigstens eine Toilette gibt es dort. Bis hier hin wäre es nämlich selbst als Mann schwierig gewesen ungestört zu sein. Das lassen die schmalen, ausgesetzten Pfade nicht zu.

Bis zum Gipfel sind es nur noch ein paar hundert Meter. Hier befinden wir uns an einem Wegekreuz. Auf den Hinweisschildern sind mögliche Ziele mit Kilometerangaben zu sehen. Unser Ziel wird später Achada do Teixeira sein, welches von hier nur noch 2,2 KM abwärts liegt. Der Weg ist sehr einfach. Einzig auf gelegentliche Stufen muss man achten. Die sind manchmal schwer zu erkennen.

Vom Gipfel aus gab es außer der Wolkendecke die den Gipfel einhüllte leider nicht so viel zu sehen. Immerhin über den Wolken. Nach ca. 45 Minuten Aufenthalt am Gipfel ging es nun weiter zu Achada do Teixeira. Hinter diesen exotischen Namen verbirgt sich nichts anderes als ein Parkplatz.

Der Weg zu Achada do Teixeira

Es sind nur noch etwas über zwei Kilometer bis zum Wanderparkplatz Achada do Teixeira. Ab hier entlässt uns Maria. Wir mögen unser eigenes Tempo gehen. Der Weg geht zwar stetig bergab, ist aber sehr einfach zu bewältigen. Er ist gepflastert, breit und nicht ausgesetzt. Die Wanderung vom Parkplatz aus bis zum Gipfel ist auch ohne Weiteres mit Kindern möglich. Dennoch genießt man auf diesen Weg sehr schöne Ausblicke, für die es sich lohnt dorthin zu kommen.

Wegekreuz am Pico do Ruivo

Am Parkplatz wartet Igor, der Fahrer meiner Gruppe, um seine Taschenlampen einzusammel und uns zunächst in das nahgelegene Städtchen Santana zu bringen. Dort hatten wir die Gelegenheit uns zu verpflegen, einen Kaffee zu trinken oder die Temperatur zu genießen bevor wir wieder ins Hotel gebracht wurden.

Das war mein vierter Tag auf Madeira und am Ende habe ich beschlossen auf jeden Fall wieder zurück zu kommen. Ich möchte die anderen Routen noch bewandern. Vor allem möchte ich dann ohne eine Gruppe dorthin, um ausreichend Zeit für Fotos mit einer richtigen Kamera zu haben. Und ich möchte unbedingt einige Strecke auch laufen, vielleicht sogar an einem Event teilnehmen. Ich bin mir sicher, dass Madeira ein tolles Ziel für Trailläufer ist.

Details der Wanderung von Pico do Arieiro über Pico do Ruivo nach Achada do Teixeira

Schwierigkeitsgrad: Anspruchsvoll; Trittsicherheit erforderlich
Distanz: ca. 12 bis 13 KM
Dauer: Je nach Tempo bis zu 5 Stunden
Besondere Ausrüstung: Feste Wander- oder Trailschuhe, Regenjacke, Taschenlampe, Verpflegung, evtl. Handschuhe; Wetter beachten!

Am Ende noch ein wirklich sehr schönes Video mit einigen Madeira Highlights. Obrigado! 🙂