Es ist der 01.01.2017 und pflichtbewusst stehe ich in Laufschuhen vor meiner Haustür. Denn ich habe mich einer Herausforderung gestellt. Ich wollte unbedingt einmal wissen, wie sich wohl ein sogenannter ‚StreakRunner‘ fühlt. Ein StreakRunner ist ein Täglichläufer. Also jemand der jeden Tag mindestens eine Meile läuft. Wirklich jeden Tag bis zum 31.01 will ich laufen. Das habe ich auch getan.
Am letzten Tag lief ich auf einer Bahn für einen Feldstufentest und ging bis an meine Belastungsgrenze. Und dann?

Erleichtert ins seelige Nichtlaufen

Die körperliche Belastung des täglichen Laufens habe ich nicht so richtig wahrgenommen. Eher die Verpflichtung war eine Belastung für mich. Am 01. Februar war ich erleichtert und auch ein wenig müde. Ich freute mich darüber einfach mal nicht laufen zu müssen und verbrachte mit ein paar Bier abends die Zeit auf dem Sofa. Das habe ich mir doch wohl mal verdient!? Schließlich bin ich kein Asket und habe auch nichts mit Straight Edge am Hut. Und wenn ich ehrlich bin, es war herrlich und ich würde es wieder genau so tun. Am nächsten Tag war auch bis zum Nachmittag alles in Ordnung.

Mein Tag verlief normal und ich fühlte mich gut. Am späten Nachmittag setzten Symptome ein. Mir war ständig kalt, ich wurde immer müder, mein Magen krampfte sich, meine Körpertemperatur stieg an, Erbrechen bis zur Leere. Ich, als stolzer Besitzer eines wirklich tollen Immunsystems, habe mir einen kleinen Magen-Darm-Infekt eingehandelt. Nur zwei Tage nach meiner StreakRunning Challenge und dem Feldstufentest. Oder ist mein Körper beleidigt weil ich nicht mehr laufe?

Intensive Belastung schwächt das Immunsystem

Eigentlich ist es ja irgendwie komisch. Da rede ich mir mit 1.000 Worten den Mund faserig, dass Bewegung das Immunsystem stärkt, um jetzt darüber zu reden, dass es auch umgekehrt sein kann. Aber so ist es. Es ist, wie es mit allen ist. Nicht so einfach. Und mit einer einfachen WENN/DANN-Formel kommt man auch nicht weiter. Was mir passiert ist, nennt sich Open-Window-Effekt.

Das Immunsystem ist nämlich nicht nur dazu da Infektionskrankheiten möglichst fern zu halten. Sondern es sorgt auch dafür, dass Gewebe repariert und zerstörte Zellen abtransportiert werden. Die häufig erwähnte Regeneration übernimmt das Immunsystem und ist damit schon ordentlich beschäftigt. Kommt nun noch eine Zeit der Erkältungs- und/oder Grippewelle hinzu, ist es schlicht überfordert. Viren haben es nun deutlich leichter im Organismus Fuß zu fassen. Das Immunsystem hat damit sozusagen ein „Fenster für Viren geöffnet“. Daher kommt der Name ‚Open-Window-Effekt‘.

Dem Open-Window-Effekt vorbeugen

Man wird diesen Effekt wahrscheinlich nie zu 100% ausschließen können. Jedoch sind zur Prävention sämtliche Maßnahmen geeignet, die das Immunsystem stärken. Hier sind einige Ideen was man zur Vorbeugung unternehmen könnte:

Intensive Belastung vermeiden – Damit meine ich nicht grundsätzlich. Sondern zu Zeiten wie Grippe- und Erkältungswellen kann man dafür sorgen, dass ausreichend Regeneration vorher und nachher gewährleistet ist. Vielleicht lässt sich die Periodisierung eines Trainingsplans danach ausrichten.

Regeneration richtig einleiten – Nach der intensiven Belastung sollten umgehend entsprechende Nährstoffe zugeführt werden wie z.B. Eiweiß, Kohlenhydrate, Magnesium, Zink und Co. um die Regeneration richtig einzuleiten. Ich mache es mir einfach und nutze dazu ein alkoholfreis Bier (weil ich es mag) und/oder Obst.

Regeneration nicht blockieren – Belohnung nach einer intensiven Einheit ist super. Die zwei bis drei Flaschen Bier am gleichen Tag, sollte man sich vielleicht dennoch sparen. Denn Alkohol blockiert die Regeneration. Ich hätte als mit meiner Bierbelohnung gut 48 Stunden warten dürfen.

Napping – Ein kleiner Mittagsschlaf von bis zu 20 Minuten baut Stress ab. Das ist wiederum dem Immunsystem sehr zuträglich. Generell sollte man darauf achten ausreichend Schlaf zu haben.

Vitamin C – Obst wie z.B. Orangen und Erdbeeren, aber auch Gemüse wie Rosenkohl, Möhren und Paprika sind reich an Vitamin C. Optimal ist es sie in Form von Rohkost zu verzehren oder, wenn es sein muss, als Smoothie.

Hände desinfizieren – Hört sich komisch an aber ergibt Sinn. Im Alltag ab und zu die Hände desinfizieren hält Bakterien fern. Unbedingt die Regeln beachten!

Das sind, neben viel Wasser trinken und schlafen, nur ein paar Ideen wie man das Immunsystem entlasten kann. Vielleicht entgeht man so dem Open-Window-Effekt, erspart sich so eine lästige Zwangspause und bleibt vor allem gesund.